Achtzig Jahre Reichspogromnacht /Bei zentraler Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht in der Synagoge in Berlin erklärt der Zentralratspräsident, warum die AfD nicht eingeladen wurde



 

Ich bin krankheitsbedingt heute nicht in unserer Synagoge zum Gedenken der Zerstörung auch der Synagoge in Münster vor heute 80 Jahren am 9. November 1938.
Meine Vertreterin hat es freundlicherweise übernommen, die vielen anwesenden Gäste und Mitglieder unserer Gemeinde an meiner statt zu begrüßen und auch mein Grußwort zu verlesen.

Ich schaue von meinem Bett aus die Gedenkstunde des Bundestagestages an und danach vor allem auch die Gedenkstunde in Berlins größter Synagoge in der Rykenstraße, Stadteilt Prenzlauer Berg, die im ZDF heute von 11:00 Uhr bis 12:00 Uhr zu sehen sein wird.

Kurz vor 11:00 Uhr ist im ZDF der Innenraum der Berliner Synagoge mit seinen prachtvollen Wand- und Deckengemälden, in dem 1.200 Menschen Platz finden, bereits eingeblendenet
Es sind beeindruckende Bildern der ZDF Live-Übertragung.
Nachdem die vielen Gäste ihre Plätze eingenommen haben,
wird die Gedenkstunde mit Psalmen durch den Chor der Gemeinde in Berlin eingeleitet.

Es erfolgt zunächst die Begrüßung durch den Vorsitzenden der Gemeinde. Gleich danach ergeht das Wort an unseren Präsidenten Dr. Josef Schuster.

Hier einige m.E. zentrale Aussagen:

„Am späten Abend des 9. November 1938 entlud sich (…) die Gewalt: SA- und SS-Leute griffen Synagogen und jüdische Geschäfte an. Sie überfielen tausende ahnungslose jüdische Bürger in ihren Wohnhäusern. Insgesamt wurden rund 1.400 Synagogen beschädigt oder zerstört, das entsprach der Hälfte.
Auch diese Synagoge hier in Berlin, in der Rykestraße, wurde in der Nacht zum 10. November in Brand gesteckt. Nur um die benachbarten Häuser nicht zu gefährden, wurde der Brand relativ rasch wieder gelöscht (…).

Heute, an diesem Gedenktag, verneigen wir uns mit tiefem Respekt vor den Überlebenden - ob sie heute hier unter uns sind oder an anderen Orten.

Und wir verneigen uns in Trauer und immerwährendem Gedenken vor den sechs Millionen ermordeten jüdischen Frauen, Männern und Kindern und allen Opfern der nationalsozialistischen Verbrechen.

(…) Sie werden sich alle erinnern an den jüdischen Restaurant-Besitzer in Chemnitz, der kürzlich und zum wiederholten Male von Neo-Nazis angegriffen wurde.
Wenig später, im Oktober, haben Neo-Nazis ein persisches Restaurant in Chemnitz aufgesucht und den iranischen Inhaber schwer verletzt.
Dass solche Dinge in Deutschland 2018 geschehen, das ist eine Schande für unser Land!

Hinter diesen Menschen, die Flüchtlinge, Muslime oder Juden angreifen, stehen die geistigen Brandstifter. Mein Eindruck ist: Ihre Zahl wächst in Deutschland.
Sie schüren Ängste vor Flüchtlingen. Sie stacheln mit ihrer Wortwahl und überproportionaler Aufmerksamkeit für einzelne Vorfälle die Bürger an. Sie hetzen gegen Asylbewerber und insbesondere gegen Muslime.
Eine Partei, die im Bundestag am ganz äußeren rechten Rand sitzt, hat diese Hetze perfektioniert. Sie sind geistige Brandstifter.
Vor nichts haben sie Respekt. Sie instrumentalisieren die mutigen Widerstandkämpfer der Weißen Rose für ihre Zwecke. Sie verhöhnen die Opfer und Überlebenden der Schoa, indem sie die NS-Verbrechen relativieren. Sie betreiben Geschichtsklitterung und wollen unsere Gedenkkultur zerstören.

Es wäre für die jüdische Gemeinschaft unerträglich gewesen, heute, 80 Jahre nach der Pogromnacht, Vertreter dieser Partei unter uns zu wissen. Daher haben wir diese Fraktion als einzige des Deutschen Bundestags nicht eingeladen. (…)
Diese Kräfte dürfen nicht noch mehr an Boden gewinnen. Im Gegenteil. Sie müssen so weit zurückgedrängt werden, bis sie ganz in der Versenkung verschwinden. (…).

Zum Schluss seiner Rede zitiert Josef Schuster die folgenden überlieferten Sätze eines zwölfjährigen jüdischen Kindes

"Mutti, wenn wir wirklich so schlecht sind und kein anderes Land uns aufnehmen will, ist es doch besser, gleich Schluss zu machen und den Gashahn aufzudrehen."

Nie wieder darf es so weit kommen, "dass ein Mensch, und erst recht ein Kind, nur wegen seiner Herkunft Anlass zu so viel Verzweiflung hat", unterstreicht der Zentralratspräsident Josef Schuster.
Bild 1: Kollage "Ich"
Bild 2 und 3 aus dem Internet.

  


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