Auschwitz-Wachmann zu fünf Jahren Haft verurteilt.



Das Landgericht Detmold verurteilt den früheren SS-Wachmann Reinhold Hanning zu fünf Jahren Haft. Das Gericht spricht den 94-Jährigen der Beihilfe zum Mord in mindestens 170.000 Fällen im KZ Auschwitz schuldig. Es wird wohl das letzte Urteil sein, weil unklar ist, ob die weiteren Beschuldigten in Deutschland verhandlungsfähig sein werden.
Mord verjähre nicht, so die Richterin, weshalb das Verfahren wegen des Tatvorwurfs auf jeden Fall zu eröffnen war. "Es ist nicht so, dass Sie keine Wahl gehabt hätten", sagte Richterin Grudda. "Rechtmäßiges Denken und Handeln war auch damals möglich". Jeder SS-Mann, der in Auschwitz eingesetzt war, habe gewusst, was dort passierte. "Auch Sie wussten es, Sie haben mit Ihren Kameraden gesprochen", so die Richterin.

Ich schließe mich allen Kommentaren an, die das Urteil begrüßen und herausstellen, dass es eine gerechte Strafe ist, die Hanning verdient hat. Er war Teil der unbarmherzigen Tötungsmaschinerie, in der er sich mitschuldig machte.

Aufgefischt aus dem Facebook:

 Tiqvah Bat Shalom

17. Juni um 23:43

„Wenn jemand an seinem Arbeitsplatz 170.000 € unterschlägt, so bekommt er mehr ….“

Michael Deim Hallo Sharon mein guter. Die Frage die sich mir stellt ist, wieso dauert es fast 71 Jahre bis es überhaupt zu einer Anklage kommt? Das war doch nicht alles unbekannt, oder? L.G. Michael.

Sharon Fehr Die Antwort auf diese Frage werde ich Dir schuldig bleiben müssen. Ich weiß es nicht. Wohl aber sendet das Urteil erstmals eine klare, unmissverständliche Botschaft aus. Als SS-Angehöriger in Auschwitz konnte man nicht unschuldig sein, so die Richterin. „Das gesamte Lager glich einer Fabrik, ausgerichtet darauf, Menschen zu töten" (…) In Auschwitz durfte man nicht mitmachen." Erstmals klare Worte einer Richterin in einem Deutschen Gerichtssaal. An einer solch klaren justiziablen Haltung scheint es m.E. bisher gefehlt zu haben.

Volker Scholz-Goldenberg Besser spät als nie, aber 5 Jahre sind ein Witz für diesen Verbrecher viel zu wenig. Vor allem wenn irgendein Arzt ihn vermutlich "haftuntauglich" schreiben wird. Er sollte im Knast verrecken...

Attila Repkeny Volker bin ganz deiner Meinung. 5 Jahre sind lächerlich und stehen keinesfalls gerecht im Vergleich zu den 170.000 Opfer. Armes Deutschland.


Sharon Fehr @Volker & Attila: Ihr habt vollkommen recht: 5 Jahre gemessen an dem, was dieser Mensch an Beihilfe zu Mord in 170.000 Fällen als Mitschuldiger zu verantworten hat, ist unverhältnismäßig. Er hat schließlich den Massenmord durch seinen Wachdienst befördert, auch wenn er als Wachmann nur ein sog. kleines Rädchen in der Tötungsfabrik Auschwitz war. Er ist heute 94 J und wird vermutlich das Ende von 5 Jahre Knast nicht erreichen. Mag sein, dass dies bei der Strafzumessung von 5 Jahre auch eine Rolle gespielt hat. Verdient hätte er mehrfach lebenslänglich!

Gefällt mir · Antworten · 2 · 20. Juni um 05:55 · Bearbeitet

 

Oliver Gromball Hier kann man alles nachlesen. Es handelt sich um ein Versagen der deutschen Rechtsprechung auf ganzer Linie...

Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Auschwitzprozesse

Auch unbedingt lesenswert:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article156322122/Das-wohl-letzte-Auschwitz-Urteil-ist-gefaellt.html

sowie WN Münster:

http://www.wn.de/Welt/Politik/2416483-Kriminalitaet-Auschwitz-Wachmann-zu-fuenf-Jahren-Haft-verurteilt

Hier auch ein guter Kommentar von

Elmar Ries (WN) s. Galerie


Galerie

"Hallo Sharon mein guter. Die

"Hallo Sharon mein guter. Die Frage die sich mir stellt ist, wieso dauert es fast 71 Jahre bis es überhaupt zu einer Anklage kommt? Das war doch nicht alles unbekannt, oder? L.G. Michael."

Nach 1945 hat die Justiz, die zu 80 % mit NSDAP-Mitgliedern durchsetzt war, die Shoa vergröbert gesagt wie folgt bewertet:
1. Täter der Shoa waren ausschließlich Hitler, Himmler, Heydrich usw. Die waren aber verstorben und daher nicht mehr zu belangen.
2. Alle Übrigen waren aus Sicht der Justiz "nur" Gehilfen des Völkermords, nicht Täter und durften sich, da sie ja "nur auf Befehl" geholfen hatten, auf "Befehlsnotstand" berufen.
3. Nur wenn einzelne Täter über den "Verwaltungsauftrag" alle Juden zu ermorden hinaus gehandelt haben, indem sie z.B. eigenmächtig oder grausam getötet haben, konnten diese als Mörder belangt werden.

Ergebnis: Irgendwelche einfachen Soldaten am Ende der Tötungsmaschinerie werden (neuderdings)vor Gericht gestellt, während die hochrangigen Täter, mit ganz wenigen Ausnahmen, nie belangt wurden.
Unterzeichner hat zum Thema selbst schon Vorträge gehalten; Nachfragen daher jederzeit gerne (oder auch nicht). MFG

Jüdische Gemeinde Münster
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