Es war ein stilles Gedenken in der Synagoge in Münster am 9. Nov. 2020.



Es war ein stilles Gedenken im sehr kleinen Kreis, zu dem am Montag Regierungspräsidentin Dorothee Feller, Oberbürgermeister Markus Lewe, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Sharon Fehr, und die christlichen Vorsitzenden der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster e.V. (CJZ), Prof. Dr. Johannes Schnocks und Pfarrer Martin Mustroph in Münsters Synagoge an der Klosterstraße zusammenkamen. Seit der Wiedererrichtung der Synagoge in den 1960er Jahren richtet die CJZ die Gedenkstunde an den 9. November 1938 dort aus. Eigentlich sollte das Gedenken an die Novemberpogrome des Jahres 1938 in diesem Jahr coronabedingt im Rathausfestsaal stattfinden, eigentlich mit angemeldeten Gästen und der Landesbeauftragen gegen Antisemitismus, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, als Rednerin. Aber das Infektionsgeschehen und der Teil-Lockdown im November hatten die Pläne durchkreuzt. Allerdings haben antisemitische Übergriffe der vergangenen Monate in trauriger Weise gezeigt, dass die Erinnerung an die Pogrome des 9. Novembers 1938 und die Shoah gerade im Corona-Jahr 2020 nicht untergehen darf. Deshalb hatte die CJZ Vertreter der Jüdischen Gemeinde, der Kirchen und der Stadtgesellschaft zu einem stellvertretenden Gedenken eingeladen. Zur Erinnerung an die sechs Millionen ermordeten Jüdinnen und Juden wurden Kerzen entzündet. Der katholische Vorsitzende der Christlich-Jüdischen Gesellschaft, Prof. Dr. Johannes Schnocks, dankte den Anwesenden und wies darauf hin, dass sie hier für die vielen Bürgerinnen und Bürger stehen, die in jedem Jahr mit Trauer der Verfolgung und Vernichtung jüdischen Lebens in Deutschland und in unserer Stadt gedenken. Zur Bedeutung des Gedenktages betonte Oberbürgermeister Markus Lewe: „Als Tag der Erinnerung ist der 9. November aber auch ein Mut machender Tag, ein Tag der Zuversicht und der Hoffnung. Denn dass es nach all den Schrecken und dem Entsetzen heute wieder jüdisches Leben in Deutschland gibt, das bewegt mich sehr, das empfinde ich als ein großes Geschenk und dafür bin ich zutiefst dankbar.“ Zugleich gab er bekannt, dass Stefan Querl, der stellvertretende Leiter des Geschichtsortes Villa ten Hompel, zum „Beauftragten gegen Antisemitismus der Stadt Münster“ ernannt worden ist. Es genüge nicht, an einzelnen Gedenktagen im Jahr mahnend den Finger zu heben und gute Vorsätze zu fassen, so Regierungspräsidentin Dorothee Feller: „Der 9. November muss viel öfter im Jahr stattfinden!“ Die Regierungspräsidentin kündigte an, ab dem kommenden Jahr einen jährlichen Schülerwettbewerb für Projekte auszurufen, die sich mit Judentum und jüdischem Leben beschäftigen. „Dabei soll der Fokus ganz bewusst nicht auf dem Antisemitismus und den Verbrechen des Zweiten Weltkrieges liegen, sondern auf der jüdischen Kultur und Lebensweise“, so Dorothee Feller, die sich bei der konkreten Ausgestaltung mit den jüdischen Gemeinden abstimmen wird. Sharon Fehr führte aus, dass unter dem Eindruck des schrecklichen terroristischen Anschlags in Wien die Gedanken der Mitglieder der Jüdischen Gemeinde in Münster bei den Ermordeten, ihren Angehörigen und den zahlreichen Verletzten seien. Es sei ein Angriff gewesen, so der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, „der interreligiöse Toleranz und unseren gesellschaftlichen Wertepluralismus zu tiefst verachtet.“ Der 9. November mahne, Hass, Hetze und Ausgrenzung mit aller Entschlossenheit entgegenzuwirken. Der evangelische Vorsitzende der CJZ, Pfarrer Martin Mustroph, machte darauf aufmerksam, dass wir in erschreckender Weise in der Zeit der Pandemie eine Zunahme antijüdischer Verbrechen und bizarrer Verschwörungstheorien beobachten konnten. Er bekräftigte, dass die Kirchen an der Seite ihrer jüdischen Schwestern und Brüder stehen und bei allen Menschen, die für Frieden, Toleranz und Gerechtigkeit eintreten. "Wir lassen nicht zu, dass das friedliche, freundliche, freundschaftliche Verhältnis zwischen Juden und Christen in unserer Stadt beschädigt wird." Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster e.V. 9. November 2020


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