Kapituliert unser Rechtsstaat? Kritik an der Kippa-Warnung



 

 

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung hat Juden davon abgeraten, sich überall in Deutschland mit der Kippa zu zeigen. Die Kippa ist für uns Juden nicht irgendein Medium, sondern sichtbares Zeichen für jüdische Gläubigkeit und Zeichen der Respektbezeugug gegenüber G``tt. 

Ich kann mit der Äußerung des Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung überhaupt nicht konform gehen. Vielmehr stelle ich mir nach dieser Äußerung die Frage, was uns der Artikel 4 des Grundgesetzes noch nützt, mit dem die Freiheit der Religionsausübung garantiert wird?

Kapituliert der Rechtsstaat vor der zunehmenden Judenfeindlichkeit und vermag uns die freie Religionsausübung in Deutschland außerhalb unserer Synagogen nicht mehr zu ermöglichen?

Auch wenn wir es längstens gespürt haben, so bestätigt uns auch der Antisemitismusbeauftrage unseres Landes, dass wir in nicht mehr überall sicher vor antisemitischen Hassverbrechen sind. Doch was soll diese Äußerung für uns bezwecken? Dass wir unsere Sicherheit selbst übernehmen, indem wir unsere Jüdischkeit außerhalb unserer Jüdischen Gemeindezentren verstecken? Uns als Juden „neutralisieren“?  

Es kann doch keine ernstzunehmende Aufforderung sein, unsere Identität verbergen zu müssen, um uns in der Öffentlichkeit frei bewegen zu können.

Die zunehmende gesellschaftliche Enthemmung und Verrohung sollten dringend anders bekämpft werden als durch einen Aufruf, in der Öffentlichkeit nicht mehr der zu sein zu dürfen, der ich bin. Es sei daran erinnert, dass wir das in der Deutschen Geschichte schon einmal hatten.

Zum Schluss: Ich werde den Antisemiten und Gegner der Demokratie nicht kampflos das Feld überlassen und werde meine Kippa als gläubiger Jude weiterhin auf Deutschlands Straßen öffentlich tragen.

Dass der Antisemitismusbeauftragt als Reaktion auf die ihm entgegenwehende Kritik, Juden sollten sich in Deutschland nicht überall mit der Kippa zu zeigen, nun die Bundesbürger aufruft, am kommenden Samstag Kippa zu tragen, „(…) wenn in Berlin beim „Al-Kuds-Tag“ wieder in unerträglicher Weise gegen Israel und gegen Juden gehetzt wird (…)“, ist ein erneut schwaches Zeichen des Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung.

Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Aggressivität, Gewaltbereitschaft, Hetze bekämpft man nicht mit einem alleinigen Aufruf Kippa zu tragen.
Wir tagen die Kippa ist Zeichen unserer jüdischen Gläubigkeit, als Zeichen unserer Ehrfurcht vor G``tt.

Auch sollte der Antisemitismusbeauftrage der Bundesregierung wissen, dass Antisemitismus nicht nur etwas mit dem Al-Kuds-Tag zu tun hat, Antisemitismus tritt inzwischen in allen gesellschaftlichen Ebenen in Erscheinung.

Der Antisemitismusbeauftrage sollte ebenso wissen, dass, wenn wir von antisemitischer Hetze sprechen, längst nicht mehr über den Rand unserer Gesellschaft, sondern über unsere Mitte reden.
In unseren Landtagen und im Deutschen Bundestag sitzen von Wählern entsandte Parlamentarier, die – nicht alle – aber zum Teil in ihren Reden an die Zeit größter Judenverfolgung und -Vernichtung erinnern und diese Zeit gleichsam abtun als „Vogelschiss der Geschichte“.

Die Lage ist ernst, jedoch nicht hoffnungslos, doch bislang habe ich brauchbare Hilfe und Unterstützung des Antisemitismusbeauftragten nicht gefunden.

  


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