Offener Brief an den Sprecher des AfD Kreisverbandes Münster, Helmut Birke



Sharon Fehr offener Brief in verschiedenen Netzwerken und anderen öffentlichen Plattformen vom 04.01.2018 / 04:10 Uhr

 Sharon Fehr Offener Brief (als unmittelbare Reaktion auf eine in Facebook ausgesprochene Einladung des gemeinsamen Zusammengehens des

Sprechers des münsterischen AfD-Kreisverbandes, Helmut Birke.

 

Sehr geehrter Herr Helmut Birke, Mitglied der AfD.

Sie verstehen mich peinlich miss, wenn Sie meine Statements/Kommentare im Facebook-Profil der AfD Ratsgruppe Münster dahingehend deuten, ich wolle damit versuchen, „(…) Kontakt zur AfD Ratsgruppe Münster herzustellen. (…)“.

 

Nein! Es war der verwerfliche Tweet von AfD-Politikerin Beatrix von Storch der mich auf die Bühne rief und durch meinen (von allen Seiten als sachlich bestätigter) Kommentar inzwischen in Münster hohe Wellen schlägt, nach dem im Zuge meines Comments sich Herr Martin Schiller (AfD Ratsgruppe Münster) meldete und mir vorwirft: „Es wäre wahrscheinlich auch zu viel verlangt, von Ihnen zu erwarten, dass Sie die große Sorge um unser deutsches Vaterland mit uns teilen. (...) Wahrscheinlich genießen Sie den schleichenden Verfall eines Landes, welches Sie verachten. (…)“. Dadurch sind wir ANEINANDERGERATEN, also, sehr geehrter Herr Helmut Birke „(…) von einem gemeinsam daran wirken“ (wollen), „dass wir tatsächlich wieder gut und gerne in diesem Deutschland leben.“ (…), nein, Herr Helmut Birke, daran dachte ich mit meinem Post nicht ansatzweise.

 

Erst recht nicht, wenn mir durch Ratsmitglied der AfD Ratsgruppe Münster, Martin Schiller, die Verachtung Ihres deutschen Vaterlandes unterstellt wird. Die Formulierung „Sie…“ (ist allumfassend) „… genießen den schleichenden Verfall unserer Gesellschaft".

 

Damit sehen alle (auch Rechtsexperten), die sich hier in die Auseinandersetzung miteinklinkten, dass mit Wissen um meine Funktion in Münster als ehrenamtlicher geschäftsführender 1. Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Münster (seit mehr als 25 Jahre) gleichsam auch die jüdischen Bürgerinnen und Bürger mit angesprochen sind, welche ich in Münster einerseits und als Mitglied des Vorstande des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden Westfalen-Lippe (10 Jahre) öffentlich (rechts-) wirksam vertrete.

 

Lassen Sie mich weiter Tacheles (Klartext) reden: Die jüdischen Dachverbände in Deutschland und Frankreich lehnen eine Kooperation mit AfD und Front National ab. Warum? Ich fasse es für Sie gerne zusammen: Sie, die AfD, hetzen gegen Muslime im Allgemeinen und gegen Flüchtlinge im Besonderen. Sie nutzen in Deutschland kein anderes Thema, um Ängste, um Neiddiskussionen zu entfachen. Selbst auch dann lassen Ihre zügellosen AfD Sprücheklopfern nicht davon ab, als Zahl von Anschlägen auf Flüchtlingsheime stiegen.

 

Sie sollten sich als AfD Parteibuchträger nicht länger wundern müssen und auch Ihre „Opferrolle“ nicht weiter ausspielen wollen, wenn Mitlieder Ihrer AfD Partei sich verbal völlig frech und ungezügelt verhalten, von „Umvolkung“ sprechen und damit an widerliche Verbalismen anknüpfen, die an die Schreckensjahre des Zivilisationsbruches während der barbarischen Nazizeit erinnern lassen.

 

Nein, sehr geehrter Herr Helmut Birke, zwischen Ihnen und uns als jüdische Community in Münster (und auch mir persönlich) kann es keine Annäherung geben.

 

Ihnen (AfD) scheint in den populistischen Reden der Gleichheitsgrundsatz abhandengekommen (alle Menschen -auch Muslime!) sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren); Sie scheinen auch die im Grundgesetz garantierte Unantastbarkeit der Menschenwürde sowie die Religionsfreiheit nicht zu wollen.

 

Noch richtet sich der AfD Populismus -wie bereits eingangs erwähnt - gegen Flüchtlinge im Besonderen. Viele unserer Mitglieder sind besorgt, dass Ihre AfD Hass- und Hetztiraden auch uns Juden (wieder) tangieren könnten.

 

Argumente auch Ihres Parteifreundes (wie vor) lassen weiter Sorgen und Ängste aufkommen.

Gez.: Sharon Fehr

Geschäftsführender 1. Vors. der Jüdischen Gemeinde Münster


Jüdische Gemeinde Münster
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