Zur Lage der Sicherheit unserer Gemeinde - ein Gespräch mit dem WDR



Zum Thema SICHERHEIT – Zusammenfassung aus dem Gespräch mit dem WDR

am14.03.2017

Es gibt, erklärte ich zu Beginn des Gesprächs, zwar viele Details im Bereich der Sicherheit, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind, doch ist es gut und wichtig, über gemeinsame Herausforderungen zu diskutieren, Bedrohungen zu analysieren und voneinander zu lernen.

Die Bedrohung, mit der Jüdische Gemeinden heute konfrontiert sind, gehen m.E. von unterschiedlichen Richtungen aus:

a) von der der extremen Rechten, den Neonazis

b) von antiisraelischen und antizionistischen Linken;

c) von Islamisten, womöglich auch selbst ernannten Dschihadisten;

d) von arabischen Migranten mit einer mitgebrachten, einer anerzogenen feindseligen Haltung gegenüber Israel und Juden.

Letzteres hängt insbesondere auch damit zusammen, dass  Flüchtlinge, die aus arabischen Ländern kommen, gegen Juden und Israel von Kindsbeinen an feindselig indoktriniert wurden.  Anders als den türkischstämmigen Muslimen in Deutschland ist ihnen der Islam ausschließlich als Religion fremd. Hier ist eine zunehmende Besorgnis auch in unserer Gemeinde zu beobachten.

Man kann vereinfacht zusammenfassend sagen: Jüdische Gemeinden sehen sich der Bedrohung durch Extremismus und Terror seitens politischer oder religiöser Fundamentalisten ausgesetzt.

In Deutschland sind es die Sicherheitsbehörden, die für die Sicherheit der Jüdischen Gemeinden verantwortlich sind.

Natürlich achteten auch unsere Gemeinde selbst auf ihre Sicherheit und pflegt  eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden vor Ort.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat eine öffentliche Aufforderung formuliert, "in Problemvierteln" auf das Tragen der Kippa, einer kreisrunden Kopfbedeckung, zu verzichten.

Wir verstehen, dass der Präsident die Mitglieder der Jüdischen Gemeinden schützen möchte, doch in Münster gibt es keine Veranlassung, unsere jüdischen Bräuche, unsere Traditionen verstecken zu müssen.

Fragt man unsere Mitglieder, wie bedroht sie sich nach den Anschlägen von Paris und den jüngsten Anschlägen in Deutschland fühlen, bekommt man keine einheitlichen   Antworten.

Das mag zum einen am subjektiven Charakter der Wahrnehmung liegen, zum anderen an der sich rasant veränderten Gefahrensituation, sowie der traurigen Wahrheit, dass sich niemand adäquat vor terroristischen Angriffen schützen kann. 

Der Anschlag mit einem Gewehr auf unser Jüdisches Gemeindezentrum vor knapp zweiheimhalb Jahren hat unter unseren Mitgliedern sicherlich nicht dazu beigetragen, sich angst- und sorgenfreier fühlen zu können.

Ich persönlich lass mich davon nicht beeindrucken und gehe weiterhin mit meiner Kippa auf offener Straße. Ich ernte abschätzige wie interessierte Blicke und werde gelegentlich auch direkt angesprochen, ob ich denn keine Angst hätte, mich mit der Kippa auf offener Straße zu zeigen.

Ich unterstreiche dann immer wieder auch sehr gerne, was Präsident des Zentralrates, Josi Schuster, im vergangenen Jahr in der Jüdischen Allgemeine formulierte:

„Jüdisches Leben in Deutschland ist Teil unserer Gesamtgesellschaft, und deshalb müssen wir alle gemeinsam dafür sorgen, dass sich jüdisches Leben auch in Zukunft hier frei entfalten kann«.

Es gibt ein Gefahrenpotenzial, das man ernst nehmen muss. Doch Panikmache lassen wir uns nicht anstecken. Wir sind insbesondere nach den letzten Anschlägen und den Anfeindungen während des massiven Gaza-Konflikts, wo unsere Gemeinde durch pro palästinensische Demonstranten verbal aggressiv antisemitisch beschimpft wurde, aufmerksamer geworden, aber was wir auf keinen Fall wollen, ist eine Bunker- und Hochsicherheitstrakt – Mentalität.

Ich will, dass unsere Gemeindemitglieder sich bei uns sicher fühlen können.


Jüdische Gemeinde Münster
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