Erew Jom Kippur 5775/ ערב יום כיפור / Grußwort



Jom Kippur ist der Höchste Jüd. Feiertag in unserem Kalender. Wir begehen ihn mit Fasten, Beten und Reflexion

Stille, eine ehrfürchtige Stimmung gehören zu dem Tag, an dem wir vor G`tt gemeinsam um Sündenvergebung bitten.

Auch wer das ganze Jahr nicht in die Synagoge geht, kommt an diesem Abend, um mit uns gemeinsam  zu beten.

Das Licht der Kerzen, weiße, silberdurchwirkte Vorhänge und Decken schmücken die Synagoge.

In diesem Licht, in dieser Stille, beginnt die Weihe des höchsten Festes, erklingt das Gebet, das nur einmal im Jahr, am Vorabend des Jom Kippur rezitiert wird: Das KOL - NIDREJ. 

Was ist das Kol – Nidrej?

Der Inhalt, bestehend aus ca. dreißig Worten, ist eine Nichtigkeitserklärung für alle im Laufe des vergangenen Jahres übernommenen Gelübde oder aber auch der Gelübde, die im kommenden Jahr gemacht werden könnten.

Die Nichtigkeitserklärung bezieht sich ausdrücklich auf Versprechungen, die man G`tt gegenüber gemacht hat.

- Deshalb ist es auch ein schöner Brauch, dass man noch vor dem Kol Nidre-Gebet eine Erklärung leise zu sich selbst spricht, in der man seinen Mitmenschen den von ihnen verursachten Ärger oder Kummer verzeiht und gleichzeitig G`tt bittet, er möge die anderen dazu bewegen, das Gleiche zu tun.

Es ist hier nicht der richtige Platz für eine Antisemitismus-Analyse. Doch vielleicht so viel:

Jahrhundertelang diente das Kol Nidre-Gebet den Feinden unserer Religion dazu, Juden der Untreue, der Unzuverlässigkeit, der Falscheide zu verdächtigen und zu beschuldigen mit der Begründung, Juden würden von ihren Zusagen, ihren Versprechungen und Gelöbnisse  im Vorhinein und Nachhinein lossagen. Das Gelöbnis für null und nicht erklären. Diese Behauptung war Unfug wie viele andere antisemitische Vorurteile auch.

Wir beten, dass die Worte aufsteigen mögen, dass G´tt unsere Stimmen höre, Gebet und Bekenntnis zu IHM vordringen.

Die zusammenhängenden Feste, Neujahr und Versöhnungstag, stellen das jährlich wiederkehrende G`ttliche Gericht dar.

Am Neujahrstag wird das Urteil für das kommende Jahr über jeden einzelnen von uns geschrieben und am Versöhnungstag, am letzten der zehn Bußtage, wird es besiegelt.

Während dieser zehntägigen Zeitspanne geht es nicht um historische Erinnerungen, sondern allein um unser Jetzt und Hier, und um die Frage nach unserem Kompass, der Ausrichtung des eigenen jüdischen  Lebens.

Zehn Tage lang stehen wir vor Gott, in Selbstüberprüfung, im Versuch, uns trotz der Schwerkraft in uns zu erheben und da, wo erforderlich, einen neuen, einen besseren Weg im neuen Jahr einzuschlagen.

Damit uns dies leichter gelingt, ist der letzte der 10 Tage der Umkehr gleichsam auch ein Fasttag.

Ich wünsche Ihnen einen Zom kal, leichten Fasttag und bringe damit verbunden auch den Wunsch für uns alle zum Ausdruck, dass das neue Jahr ein gutes Jahr werde, ein Jahr des Friedens der persönlichen Zufriedenheit für Sie, Gesundheit, Freude und vor allem, dass die Einheit unserer Gemeinde unter einem Dach in Shalom gewahrt bleiben möge.

Wir sind auf dem besten Weg!

Leschana towa tikatewu wetechatemu!  Möget ihr eingeschrieben werden und besiegelt (ins Buch des Lebens) für ein gutes Jahr. G`tt beschütze unsere Jüdische Community und segne unser Land Erez-Israel.


Jüdische Gemeinde Münster
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