Grußwort des Vorstandes zu Jom Kippur 5776 an die Mitglieder und Freunde der Jüdischen Gemeinde Münster



Lieber Gemeindemitglieder, liebe Gäste und Freunde,

vor einer Woche haben wir die Schwelle zum neuen Jahr 5776 überschritten.

Die nachfolgenden Tage sind die Tage der Buße, der Umkehr. Ihren Höhepunkt bildet der letzte, der 10. Bußtag, der Versöhnungstag, Jom Kippur, der wichtigste Festtag unseres jüdischen Jahres.

An ihm wird nach talmudischer Tradition das Urteil über den Menschen, das am Neujahrsfest, dem Tag des Gerichts, gefällt wurde, besiegelt und bekommt damit Gültigkeit. In unserer Sprache würden wir sagen: Das am Neujahrsabend besiegelte Urteil wird mit dem Versöhnungstag, dem Jom Kippur rechtskräftig.

Der Versöhnungstag soll dazu dienen, dass uns unsere Verfehlungen, unsere Sünden verziehen werden. So ist der Versöhnungstag ein Tag der Reue, der Buße und Umkehr.

Im Tanach (TORAH / NEWIM / SCHRIFTEN) unter den Chetuvim „Schriften“ / Gerne auch das Buch der Weisheit genannt / lesen wir in Kapitel 7,20 : „Keinen Menschen gibt’s auf Erden, so gerecht, dass er nur Gutes tät und nimmer fehlte« 

Im Klartext: Es gibt wohl niemand unter uns, der nicht Anlass, der nicht Grund hätte zur Reue, zur Buße und zur Umkehr.

In Pirkej Awot, den Sprüchen der Väter, lesen wir:  »Halte dich nicht für einen unverbesserlichen Sünder« (Sprüche der Väter 2,18). Das heißt, wir haben immer auch die Chance unsere Verfehlungen wieder gut zu machen, sie in Ordnung zu bringen.

Der Ausweg hierfür ist in der Torah vorgesehen. Es ist die Teschuwa! Die Tiefe dieses Wortes ist in der deutschen Übersetzung nur sehr schwer zu erklären. Hier würde es einfach: UMKEHR bedeuten. Also nur ein Verhalten.

Teschuwa in der Tiefe der hebräischen Sprache aber meint auch einen Gemütszustand, einen seelischen Zustand, den man als Reue bezeichnet.

Für uns Juden ist wichtig zu verstehen: Ist von Teschuwa die Rede, muss man sowohl an Reue als auch an Umkehr denken, an Choser Teschuwa.

Würden wir für ein Fehlverhalten zur Rechenschaft gezogen und in einer Art Verteidigungsrede sagen: Ich habe zwar nichts verkehrt gemacht, bitte aber dennoch um Verzeihung.

Das wäre allenfalls eine äußerst halbherzige Entschuldigung. Ihr fehlt die Einsicht, die Reue und somit die ernstgemeinte Teschuwa.

Die Torah verlangt von uns bei der Teschuwa Aufrichtigkeit und die Überwindung unserer Neigung zur eitlen Selbstgefälligkeit und Selbstgerechtigkeit.

Jom Jippur, unser Versöhnungstag und Höchster Feiertag in unserem Jüdischen Kalender lädt uns ein, die Chance der Teschuwa zu nutzen.

Möge uns Jom Kippur ein Ansporn dafür sein, künftig weniger Sünden zu begehen.

Unsere Weisen sagen: Wenn wir Reue, Buße tun und Umkehr, Teschuwa machen, verbessert man sich damit nicht nur selbst, sondern auch den Rest der Welt mit einem zusammen.

In diesem Sinn wünsche ich  Euch, liebe Mitglieder, liebe Freunde

Mögen wir alle in das Buch des Lebens eingetragen werden und uns das Fasten von jetzt an bis morgen Abend nicht schwer fallen

Shana tova, Chatima tova und Zom kal.

Euer Sharon 

Bildquelle: Israel 


Jüdische Gemeinde Münster
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