Grußwort Erwe - Rosh Ha Shana 5775 / Sharon F.ערב ברכות - ראש השנה 5775 / שרון פ



Rosch-Haschna ist ein Fest der Besinnung, der stillen Einkehr, der Rückschau auf das abgelaufene Jahr und der Bitte für das kommende Jahr.

Bilanz und Ausblick stehen demnach im Mittelpunkt.

Wir erforschen unser Gewissen, fragen uns, welche Fehler wir im ablaufenden Jahr begangen haben, nehmen uns vor, im nächsten Jahr an uns zu arbeiten und die Welt um uns ein Stückchen besser zu machen.

Die Gewissensprüfung gehört zum Kern der Hohen Feiertage und sie tun jedem, unabhängig von der Art und dem Grad der religiösen Haltung, gut.

Damit wird deutlich, dass das Jüdische Neujahrsfest sich wesentlich von allen ähnlichen Festtagen, die andere Religionen, Völker und Kulturen pflegen, unterscheidet.

Ein Mann hatte schlecht über einen anderen gesprochen. Er ging zum Rabbi und fragte ihn wie er das wieder gut machen könne. Der Rabbi trug ihm auf, ein Federkissen zu besorgen und herzubringen. Das tat der Mann und der Rabbi gab ihm den Auftrag, das Kissen aufzuschneiden und die Federn aus dem Fenster zu schütteln.

Als der Mann damit fertig war, stellte sich der Rabbi neben ihn und sah eine Weile zu, wie die Federn vom Wind über die ganze Stadt verteilt wurden. Dann sagte er zu dem Mann: "So, und nun fange damit an, alle Federn wieder einzusammeln."

Hieraus wird deutlich: Wir sind Herr über unsere Taten und Handlungen, Reden und Gedanken Unser Wille ist frei, daher müssen wir uns bemühen, durch Einsicht in das Unrechte die richtigen Schlüsse zu ziehen und unsere Bemühungen fortwährend dahingehend ausrichten, dass es uns gelingt, unsere charakterlichen Eigenschaften zu verbessern.

Wenn wir Rückschau halten, müssen wir auch feststellen, dass wir Im Verhältnis zur Nichtjüdischen Umwelt auch auf Herausforderungen gestoßen sind. Wir haben viele Freunde, die sich über die wachsende Selbstverständlichkeit Jüdischen Lebens mit uns freuen.

Allerdings machte uns auch der Antisemitismus zu schaffen.  Das ist nicht ganz neu, doch hat der offene, aggressive Judenhass während der Israelischen Verteidigungsoperation gegen den Terror der Hamas aus dem Gazastreifen neue Dimensionen erreicht. Bei den sogenannten Friedensdemonstrationen herrsche antijüdische Pogromstimmung.

Dass es in der deutschen Politik Gegenstimmen und auch in Münster von Politikern,  der DIG, der CJG und vereinzelten Bürgerinnen und Bürgern Solidaritätsbekundungen gab, ist zu begrüßen. Ein allgemeiner Aufstand der Anständigen aber blieb aus, so dass wir, die Angegriffenen, uns gezwungen sahen, den bundesweiten Protest: STEH AUF! NIE WIEDER JUDENHASS, selbst zu organisieren.

Zwei Sachverhalte stehen fest: Wir sind bewusste, selbstbewusste Juden und lassen uns nicht einschüchtern, auch nicht an den Rand der Gesellschaft drängen;

Zweitens: Unsere Solidarität mit Israel bleibt unerschütterlich.

So ist es durchaus angebracht, Israel, allen Juden in der Welt und uns selbst ein gutes und glückliches, ein süßes und friedvolles Neues Jahr 5775 zu wünschen. G`tt schütze unsere Jüdische Community : G`tt schütze und segne Israel.

---------

Wir freuen uns, dass Bürgermeisterin Karin Reismann als Ehrengast am Neujahrs-Kiddush 5775 teilnehmen konnte. Wir schätzen dies als ein Zeichen der aufrichtigen Verbundenheit und Solidarität mit der Jüdischen Gemeinde Münster. Frau Reismann setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, dass sich in Münster wieder Jüdische Tradition etablieren kann, engagiert sich für die Integration Jüdischer Migranten und setzt sich auch für die Sicherheit unserer Jüdischen Gemeinde und des Staates Israel ein. Frau Reismann ist eine treue wie verläßliche Wegbegleiterin der Jüdischen Gemeinde Münster. Sie vertritt die Belange, Sorgen und Nöten der Gemeinde mit viel Sachverstand. Es ist uns eine Ehre, sie heute Abend bei uns zu Gast haben zu dürfen.


Jüdische Gemeinde Münster
Einloggen