Shana tova und leichtes Fasten an Jom Kippur



Am vergangenen Shabbat TeSchuwa HaASINU haben wir den vorletzten Wochenabschnitt unseres religiösen Jahreslesezyklus gelesen.

Wir haben gehört, dass Moshe Rabenu kurz vor seinem Tod vor Gott, dem Volk und vor sich selbst Rechenschaft über sein Lebenswerk abgelegt hat.

Mosche schaut zurück auf 40 Jahre Wanderung durch die Wüste, auf seine Leidenschaft, das Volk Israel nicht nur in die physische Freiheit zu führen, sondern in eine ganz neue, nie da gewesene Partnerschaft mit G``tt, getragen von einer gegenseitige Verantwortung und Rechenschaftspflicht. 

Immer wieder machte Mosche die Erfahrung, dass die Kinder Israels es nicht ernst nehmen, dass sie aus dieser Beziehung ausbrechen – einfachere Wege gehen wollen.

Damit wird der vergangene Wochenabschnitt, HaAssinu, geschrieben in einer beeindruckenden Form eines Gedichtes, auch Shirat Moshe genannt, zu einem wichtigen Text gerade auch auf Jom Ha Kippur.

Liebe Gemeindemitglieder, so wie Mosche am Ende seines Lebens sich selbst und dem ganzen Volk Rechenschaft gibt, so sind auch wir aufgerufen, zurückzublicken und ehrlich Rechenschaft abzulegen über das vergangene Jahr.

Jom HaKippur, der Versöhnungstag, soll uns dazu dienen, in uns hinein zu blicken, Bilanz ziehen und Rechenschaft vor G``tt ablegen.

Der Kern des Versöhnungstages ist Reue, ist Buße und vor allem Umkehr, חזר תשובה , wie wir in Hebräisch sagen.

Wir hatten zehn Tage Zeit, uns zu all dem, was nicht im Sinne der der Ge- und Verbote Thora war, ehrlich zu bekennen, zu reflektieren und um Vergebung bei G``tt zu bitten – aber ebenso auch unsere Mitmenschen um Verzeihung, um Slichha zu bitten, wenn wir uns zu einander nicht fair, nicht redlich verhalten haben.

Damit wir uns besser konzentrieren können und nicht abgelenkt sind, ist Jom Kippur ein strenger Fasttag, weder Essen noch trinken, 24 Stunden, es sei denn, es ist jemand krank, dann erlauben unsere Rabbiner es, zu erleichtern, denn die Gesundheit zu erhalten, steht über allen jüdisch religiösen Verpflichtungen.

Am Ende von Jom Ha Kippur wird dann nach 24 stündigem Fasten noch einmal das Schofar durch unseren Kantor ertönen, das uns zur Reue und Umkehr aufrütteltet und uns noch einmal eindringlich daran erinnern soll, unsere guten Vorsätze für das neue Jahr 5781 nicht gleich wieder zu vergessen.

Ich wünsche uns allen, einen Zom kal, ein leichtes Fasten und damit verbunden, - dass das neue Jahr 5781 ein gutes Jahr werde, ein Jahr des Friedens, der persönlichen Zufriedenheit in Freude und Gesundheit;

- Dass Deutschland noch entschlossener Antisemitismus, Extremismus, Rassismus entgegentritt, auch dort, wo dieser Hass verdeckt, unauffällig und leise auftritt.

- Letztes Jahr hat uns der Anschlag auf die Synagoge in Halle an Jom Kippur einmal mehr und sehr schmerzlich vor Augen geführt, wie drängend und aktuell der Kampf gegen Antisemitismus ist.  

- Null Toleranz muss gegenüber allen Formen von Antisemitismus gelten!

Wir alle möchten ohne Angst in einem toleranten und gerechten Land leben. Dafür sind 90% aller unserer Mitglieder nach Deutschland, nach Münster gekommen.

Unsere Gedanken sind in diesen Stunden auch in Israel. In Israel befindet sich in einem 2. Lockdown. Alle Schulen, Behörden, Geschäfte sind an diesen Tagen wieder geschlossen. Und auch alle Synagogen – ausgerechnet jetzt während der Hohen Feiertage. Israel ist in diesen Tagen quasi wie gelähmt und extrem verwundbar.

Lasst uns Israel in unsere Gebete mit einbeziehen. Möge jeder von uns für immer eingetragen sein [im Buch des Lebens] שנה טובה גמר חתימה טובה ויום צום קל


Jüdische Gemeinde Münster
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