Die zerstörte Synagoge in der Klosterstraße



Mit dem weiteren Mitgliederanstieg der Jüdischen Gemeinde Münster von ca. 150 im Jahr 1830 auf fast 400 im Jahre 1870 erwies sich das Bethaus in der Loerstraße als zu klein.

1877 kann die Jüdische Gemeinde ein zentral und landschaftlich schön gelegenes Grundstück zwischen Promenade und der Klosterstraße zum Bau einer neuen Synagoge erwerben. Nach einer etwa dreijährigen Bauzeit war ein Synagogenbau errichtet worden, der sich vor allem auf drei Faktoren stützten lässt:

1. Zunahme der Anzahl der Gemeindemitglieder;
2. gestiegener Wohlstand der Mehrzahl der Mitglieder
3. rechtliche Emanzipation und volle rechtliche Gleichstellung der Juden mit der christlichen Bevölkerung.

Das neue Selbstbewusstsein der Münsteraner Gemeinde und vor allem ihrer Vertreter zeigt sich in der Wahl eines Grundstücks in bester Stadtlage einerseits und auch in dem Wunsch, „einen Bau auszuführen, welcher der Provinzialhauptstadt zur Zierde gereichen und ... einen monumentalen Wert“ haben sollte.

Die festliche Einweihung fand am 27/28. August 1880 statt. Die Absicht des Gemeindevorstandes, mit dem Synagogenbau auch das Interesse der städtischen Behörden sowie der Bürger und Bürgerinnen zu erwecken, erfüllte sich hinsichtlich des offiziellen Münster nicht. Weder der Regierungspräsident noch der Bürgermeister nahm an der Einweihung teil, und auch die örtliche Presse, die das Spiegelbild der offiziellen Meinung einer Stadt ist, war das Ereignis nur eine vierzeilige Notiz wert.

Die Gemeinde hatte mit großer Zuversicht in die Zukunft die neue Synagoge gebaut, vor allem wenn man bedenkt, dass sowohl der Kredit mit einer vierzig- bis fünfzigjährigen Laufzeit angelegt war als auch bezüglich der Größe und Stabilität des Bauwerkes, das für die nächsten Generationen geplant worden war.

Dass die Geschichte des Gebäudes schon 58 Jahre später ihr endgültiges Ende finden sollte, ließ sich zu der Zeit nicht vorausahnen.


Jüdische Gemeinde Münster
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