Erstmals in der Geschichte der Jüdischen Gemeinde sind Studierende der Türkisch Islamischen Union DITIB für Religion e.V. an der Universität in Münster in der Synagoge Münster zu Besuch.



In meiner einleitenden Begrüßung knüpfte ich an das Telefonat mit dem Verantwortlichen der Besuchergruppe, Herrn Dr. Bekir Alboga, als meine erste Reaktion an:  „Ich freue mich auf einen Kontakt mit Ihnen, vielleicht ist dies ein Anfang, um beiderseitige Ängste und Vorurteile abzubauen, betrachten Jüdische Gemeinden Kontakte mit Muslime zum Teil mit Sorge, und zwar aufgrund teils verehrender antisemitischer Klischees.“

Weiter in meiner Begrüßung: Gefreut habe ich mich auf Ihrer Website lesen zu dürfen: „Der DITIB-Verband macht sich seit jeher stark gegen jede Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, insbesondere gegen Rassismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit.“

Dass in den Verbandssatzungen unserer heutigen muslimischen Besuchergruppe die Grundsätze der Freundschaftlichkeit, Achtung, Nachsicht, Toleranz und Solidarität der Menschen untereinander und gegenüber anderen Glaubensangehörigen fest verankert sind, gleicht einem Manifest, das uns verbindet.

Ich gab den jungen Studenten/Innen der Islamischen Religion einen Abriss über die  Geschichte der Jüdischen Gemeinde, erzählte über den Aufbau und die Bedeutung der Synagoge für Juden, stellte die Glaubensgrundsätze der Jüdischen Religion vor und regte im dritten Schwerpunkt an, gemeinsam mit der Frage nachzugehen: Was glauben junge muslimische Studenten an der Universität Münster und wo gibt es möglicherweise zwischen Judentum und dem Islam Gemeinsamkeiten.   

Es entwickelte sich ein wunderbarer, offener und ein spürbar einander positiv zugewandter Dialog.  Gemeinsam arbeiteten wir Berührungspunkte beider Religionen heraus und hielten fest: Der Glaube beider Religionen ist monotheistisch, die Vorstellungen von Glauben und Religion sind sich sehr ähnlich. Auch die Riten ähneln sich: Beschneidung, tägliche Gebete, Reinheitsregeln beim Essen. Beide Religionen empfinden sich als von G``tt auserwählte Glaubensgemeinschaften und müssen detaillierte Regeln befolgen, um ihrem G``tt zu gefallen.

Im Nu waren mehr als zwei Stunden verstrichen. Nichts war zu spüren von judenfeindlichen Klischees, dem Konflikt im Nahen Osten. Keine Polarisierung aber auch kein Weichspülen von kritischen Fragen.

Ich staunte immer wieder, wie die jungen Studenten/Innen an meinen Lippen hingen und neues Wissen bereitwillig aufnahmen. Der Austausch fand auf Augenhöhe statt  in gegenseitigem Respekt.

Vielleicht ist es uns mit dem heutigen Besuch unserer Synagoge durch Studierende der Türkisch Islamischen Union DITIB für Religion e.V. an der Universität in Münster gelungen ein Zeichen zu setzen für ein Friedliches Miteinander, respektvollem Umgang in der Hoffnung, an der Gestaltung unserer bunten, pluralistischen, interreligiösen  Stadtgesellschaft Münster aktiv mitzuwirken.

gez.: Sharon


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Jüdische Gemeinde Münster
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