Gedenken der Zerstörung der Synagoge am 9. November 2017 um 11:00



Auf Einladung der Gesellschaft für Christlich Jüdische Zusammenarbeit Münster e.V. fand in unserer Synagoge in Münster eine Gedenkstunde statt, um der Zerstörung der Synagoge in Münster und der jüdischen Menschen zu gedenken, die in den Novemberpogromen 1938 völlig entrechtet, ihrer Menschenwürde, ihrer Familien, ihrer Existenz ihres Zuhauses und ihres Lebens beraubt wurden.

Oberbürgermeister Markus Leve für die Stadt Münster in seinem Grußwort: (…) „Wir dürfen es nicht zula...ssen, dass das dunkle Kapitel unserer Geschichte verharmlost, verdreht, verleugnet oder gar vergessen wird. (…) „Antisemitismus darf keinen Platz haben in unserer Gesellschaft, nicht in ihrer Mitte, nicht an ihren Rändern, nirgendwo!“.

Die Hauptansprache zur Gedenkstunde hielt Präses Dr. Alfred Buß. Thema: „Wurzeln der Entmenschlichung“.

Dr. Alfred Buß berichtet zunächst über ein persönliches Erlebnis eines Religionslehrers, der damals noch ein vierjähriges Kind war, als in Leer die Synagoge niedergebrannt wurde. Die Angstschreie der jüdischen Menschen, die aus ihrem Schlaf gerissen, getreten und weggeschleift wurden und das Johlen und Klatschen der Gaffer, sei dem Augenzeuge bis heute in den Ohren geblieben

Dr. Alfred Buß ging auch mit unververschnorkelter Klarheit auf die dunklen Seiten des Reformators Martin Luther ein und zitierte unter anderem Luthers sieben Punkteplan, in dem Martin Luther seine Aversionen, seinen Hass gegen die Juden freien Lauf läßt und u.a. zu Synagogenverbrennungen und Vertreibungen aufruft.
All dies mag den Nationalsozialismus wie ein Drehbuch gedient haben.
Nicht schlüssig sei bis heute zu erklären, wie Luther zu einer so schrecklich aggressiven antijüdischen Haltung gelangen konnte, dessen Hassbild in Legitimation und Vernichtung jüdischer Menschen später nachwirkte.

Ein beachtenswerter, viel gelobter Vortrag, der klar und deutlich aussprach, was auch ich in all den vielen Schriften und TV-Sendungen zum Reformationstag/-jubiläum bislang vermisst habe.
Chapeau! Oder, wie wir in Hebräisch sagen: Be Kol Ha Kawot / בכול הכבות
Bildquelle, Kollage & Schrift: "Ich"

In der WN heute am 10.11.2017 zu lesen:

http://www.wn.de/Muenster/3048857-Erinnerung-an-Pogromnacht-Gedenken-in-der-Synagoge-Nie-mehr-wegschauen

Bilder: R. M. Halberstadt

Bild 7 WN Matthias Ahlke 

Bildkollage u. Schrift: S F


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