Große Solidarität für verletzten Rabbiner in Berlin



 Berliner solidarisieren sich mit Rabbiner

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Nach der Attacke auf einen Rabbiner in Berlin haben heute am Sonntag Hunderte Menschen in Friedenau gegen Antisemitismus protestiert. Der 53 Jahre alte Rabbiner nahm an der Kundgebung am Grazer Platz selbst teil.

"Ich habe das Jochbein gebrochen bekommen", sagte er. "Aber meinen Willen, mich für interreligiösen Dialog einzusetzen, haben diese Typen nicht gebrochen." Berlin bleibe eine tolerante und weltoffene Stadt. "Das lassen wir uns nicht wegnehmen."

Der Rabbiner war am Dienstagabend von Jugendlichen vermutlich arabischer Herkunft angegriffen und schwer verletzt worden. Seiner siebenjährige Tochter drohten die Täter mit dem Tode.

Laut Polizeiangaben nahmen knapp 1000 Menschen an der Kundgebung teil, die von der SPD Friedenau und der Evangelischen Philippus-Nathanael-Kirchengemeinde nahe des Tatortes organisiert worden war.

Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) forderte die Islamverbände auf, den Antisemitismus mit konkreten Maßnahmen zu bekämpfen. An den verletzten Rabbiner gewandt sagte sie: "Wir bauchen Sie in Friedenau. Wir brauchen Sie, damit jüdisches Leben bleibt und wächst."

Das Zusammenleben müsse verbessert werden, sagte die Politikerin. Deshalb sei jeder Bürger in der Stadt dazu aufgerufen, wachsam zu sein und Zivilcourage zu zeigen, wenn in der Nachbarschaft Fremdenfeindlichkeit auftrete.

"Wir sind hier, weil wir aus dem düstersten Kapitel unserer Geschichte gelernt haben, und keinen Antisemitismus mehr dulden in diesem Land", sagte Thomas Lübke, Pfarrer der evangelischen Philippus-Nathanael-Kirchengemeinde in Berlin-Schöneberg. Der Antisemitismus-Beauftragte der jüdischen Gemeinde in Berlin, Levi Salomon, begrüßte es, dass Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Vorabend mit einer jüdischen Kippa bei der "Langen Nacht der Religionen" gesprochen hatte. "Das war ein schönes Zeichen."

Im Anschluss an die Kundgebung wurde wenige Schritte vom Tatort ein großflächiges Banner aufgehängt. Neben der Aufschrift "Wir sind gegen Gewalt und Antisemitismus" trägt es die Unterschriften von Hunderten an Demonstrationsteilnehmern.

Aus: Berliner Morgen am 02.09.2012


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