Große Trauer um Rabbiner Henry Brand s.A. Zitiert aus den Westf Ruhrnachrichten



Die Nachrichten Westf. Lippe schreiben: Stand: 08.02.2022, 19:06 Uhr Der ehemalige Rabbiner für Bielefeld und Landesrabbiner von Westfalen-Lippe, Henry G. Brandt, ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Brandt war eine treibende Kraft des jüdisch-christlichen Dialogs und eine prägende Persönlichkeit des liberalen Judentums. Er starb am Montag im Alter von 94 Jahren in Zürich. Mit großer Trauer haben Vertreter jüdischer Gemeinden sowie der katholischen und evangelischen Kirchen auf den Tod von Brandt reagiert. Der Zentralrat der Juden in Deutschland würdigte ihn als eine der "prägenden Persönlichkeiten im liberalen Judentum sowie im jüdisch-christlichen Dialog in Deutschland". Zentralrats-Präsident Josef Schuster sagte, dass Brandt Jahrzehnte "mit Klugheit und einem großen Wissen" den jüdisch-christlichen Dialog geführt habe. Er habe "immer wieder Brücken zu den Kirchen geschlagen“. Henry Brandt wurde 1927 in München geboren und floh 1939 mit seiner Familie vor den Nationalsozialisten über Großbritanien nach Israel. Er nahm am israelischen Unabhängigkeitskrieg teil, studierte Wirtschaft in Nordirland, arbeitete bei Ford und machte eine Rabbinerausbildung in England. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde er Landesrabbiner von Niedersachsen und dann von Westfalen-Lippe. Später ging er nach Bayern. Der Aachener Bischof Helmut Dieser würdigte Brandt einst als "Wegbereiter des jüdisch-christlichen Dialogs". Für seine wegweisende Funktion im jüdischen-muslimischen Dialog zeichnete ihn 2005 die Stiftung Zentralinstitut Islam-Archiv-Deutschland in Soest mit einem islamischen Medienpreis aus. Auch wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. "Mit Henry G. Brandt verlieren wir einen der großen Pioniere des liberalen Judentums in Deutschland", teilt die Union Progressiver Juden in Bielefeld mit. "Über Jahrzehnte hat dieser Diplomat zwischen den Religionen das Gespräch von Juden, Christen und Muslimen geprägt". Der Tod von Brandt sei ein immenser Verlust, so die Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld, Irith Michelsohn: "Für die Gemeinde und für mich persönlich". Brand kritisierte Papst Benedikt Henry G. Brandt warf Papst Benedikt XVI. 2008 Respektlosigkeit vor. Die Karfreitagsfürbitte hatte das Oberhaupt der Katholiken neu formuliert und ließ für die Erleuchtung der Juden beten. Brandt nannte das "reaktionär". Er machte deutlich, "dass die jüdische Seele, besonders in diesem Land aufgrund unserer Erfahrungen, verletzt ist". Dennoch verfolgte er weiter den intensiven Dialog auch mit den Katholiken.


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