Münsters Bischof in der Jüdischen Gemeinde Münster



PRESSEDIENST BISTUM MÜNSTER

"Sharon Fehr: gemeinsam gegen Fremdenhass und Ausgrenzung

Bischof Felix Genn besuchte erstmals die Jüdische Gemeinde in Münster

Münster(pbm). Erstmals seit über fünf Jahrzehnten hat wieder ein münsterischer Diözesanbischof der jüdischen Gemeinde an der Klosterstraße in Münster einen offiziellen Besuch abgestattet: Bischof Felix Genn wurde am Dienstag Abend (29. Januar) durch den Vorsitzenden der heute 800 Mitglieder zählenden Gemeinde, Sharon Fehr, mit großer Freundlichkeit begrüßt. In seiner Begleitung waren Weihbischof em. Friedrich Ostermann und der katholische Stadtdechant Münsters, Domkapitular Ferdinand Schumacher, der dem Vorstand der Gesellschaft für Christlich Jüdische Zusammenarbeit angehört. Der Bischof besuchte auch die Synagoge, also den Gebetssaal mit den Thora-Rollen, und besichtigte das 2012 fertig gestellte neue Gemeindezentrum der jüdischen Kultusgemeinde.

Der Besuch des Bischofs zeige „die Achtung und den Respekt“, die die katholische und die jüdische Gemeinde miteinander verbänden, sagte Fehr. Man sei stolz , in Münster fast wieder die Mitgliederzahl wie vor dem Holocaust erreicht zu haben. Der Vorsitzende erinnerte an die so genannte Machtergreifung Hitlers vor jetzt 80 Jahren, mit der die „dunkelste Zeit deutscher Geschichte“ und das „tödliche Verhängnis“ für die deutschen und später auch die europäischen Juden ihren Anfang genommen habe. „Ihr Besuch ist für uns eine große Ehre, ein gelebtes Zeichen von Wertschätzung und auch ein weiterer sichtbarer Schritt des Dialogs zwischen der Christlichen und Jüdischen Religion im Münsterland“, dankte Fehr dem Bischof. Er äußerte den Wunsch, dass sich die Juden und katholischen Christen sich gegenseitig darin unterstützten, gemeinsam gegen jede Form von Fremdenhass und Ausgrenzung einzutreten.

Bischof Genn nannte die Juden in seiner Erwiderung die „älteren Geschwister im Glauben“ und wies darauf hin, dass die Christen dieselben Gebete sprächen, die Jesus in seinem jüdischen Elternhaus und in der Synagoge gesprochen habe. Zum 30. Januar 1933 sagte er: „Hätte es doch niemals diesen Tag gegeben.“ Die Verfolgung und Ermordung so vieler Juden könne jeden Christen nur mit tiefem Scham erfüllen. Der Ungeist von damals und jeder Antisemitismus heute gehöre „in den Müll der Geschichte“, bekräftigte Genn. Er sah den jüdisch-christlichen Dialog auf einem guten Weg und wertete seinen Besuch der Synagoge als deutliches Zeichen für ein gutes Miteinander von Juden und Katholiken in der Zukunft.

Die jüdische Gemeinde in Münster gehört zu den ältesten in Nordwestdeutschland. In der Chronik der Stadt wird sie schon in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts erwähnt. In der Reichspogromnacht der Nationalsozialisten im November 1938 wurde die 1880 errichtete (dritte) Synagoge ein Raub der Flammen und völlig zerstört. Nur sehr langsam und zögerlich kehrte nach dem Krieg jüdisches Leben nach Münster zurück. 1980 gehörten rund hundert Juden aus Münster und dem Münsterland zur Gemeinde. Erst nach dem Ende der Sowjetunion wuchs sie durch Zuwanderung jüdischer Russlanddeutscher stark an. Neun von zehn Mitgliedern stammen aus den GUS-Staaten. Die heutige Synagoge wurde im März 1961 durch den damaligen Landesrabbiner Hans Channoch Meyer ihrer Bestimmung übergeben."

Galerie-Fotos: J. Busch, O. Werner & Ms.-View/Witte

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