TEIL 1: Gemeindetag 2016 in Berlin vom 08.12. – 11.12.2016, ich war auch dabei



Tag 1: Der Jüdische Gemeindetag in Berlin ist eröffnet. Kaum in Berlin angekommen, nahm ich mit Chaver Boruch (Weiden) am Workshop „Unterwegs mit der Kippa“ teil. Unser Religionslehrer Levi war bereits da. Hier ging es um die Frage, wie gefährlich es ist, sich mit der Kippa auf öffentlicher Straße zu zeigen. Also diskutierten wir als Betroffene teils doch recht kontrovers die Frage, ob Jüdisch sein wirklich gefährlich ist oder ob wir doch offener und freier mit dem öffentlichen Tragen erkennbar jüdischer Zeichen wie Halskettchen mit Davidstern oder Kippa umgehen sollten. Ein Teilnehmer regt an, zwischen subjektiv empfundener Bedrohungslage und der tatsächlichen Bedrohungslage zu differenzieren, wobei es sicherlich ein Unterschied sei, ob jemand in Berlin, Dortmund, Düsseldorf oder in einer Stadt wie Münster lebt, in der das Tragen einer Kippa scheinbar problemloser. Letztlich, so der Tenor, obliege es an jedem Einzelnen, wie er/sie sich außerhalb des Jüdischen Gemeindezentrums in der Deutschen Öffentlichkeit verhalten möchte. Ich selbst bin Träger einer Kippa und würde das Ablegen meiner Kippa vor Angst, ich könnte beschimpft oder gar `was auf die Nase bekommen, als Kapitulation gegenüber unseren Hassern empfinden, die Angst und Intoleranz in unsere Gesellschaft hineintragen wollen. Ein Teilnehmer formulierte: Wir sollten Mut haben, jüdisches Leben in Deutschland auch öffentlich zu gestalten, denn nur so kann eine öffentliche Sensibilisierung geschaffen werden – nicht für uns, sondern für die freiheitlichen Demokratie des Landes wegen.

Um 19:00 Uhr, dann endlich Aufbruch zum gemeinsamen Abenddinner. In seinem Grußwort unterstrich von Josi Schuster, unserem Präsidenten des Zentralrates der Juden: „Wenn Stimmung gemacht wird gegen Muslime oder sogenannte Eliten, dann sind früher oder später auch wir Juden gemeint.“ Es folgte unser israelischer Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsmann. Er fragte: „Wer hätte es gedacht, dass es ausgerechnet in Deutschland jemals wieder gefährlich sein könnte, sich als Jude zu outen, indem man auf der Straße eine Kippa trägt?“ Abschließend sprach Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Er erntete viel Beifall, als er sagte: „Das Existenzrecht Israels ist Teil der deutschen Staatsräson.“ Um 20:00 Uhr dann wurde das Buffet eröffnet. Wir sind 1.200 jüdische Teilnehmer/Innen als Familie unter einem Dach. Niemand dreht sich hier nach einem Kaftan, Hut oder einer Kippa um und auch nicht nach den Ziziots (Schaufäden), die viele von uns über die Hosen seitlich herunterhängen lassen – niemand! Hier ist es völlig normal, Jude zu sein. Ob ich hier bleiben werde? (s. auch Bilder in der Galerie).

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Wegen der begrenzten Absätze geht es

mit Tag 2 und Tag 3 auf einer komplett neuen Seite weiter

Tschüß / Shalom

 

 

 

 

 





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Jüdische Gemeinde Münster
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