Teil 2 Religion wird in Konflikten missbraucht



Religion wird in Konflikten missbraucht.

Münster (ame/osi). Mit ursächlich für das rauer werdende gesellschaftliche Klima in Deutschland ist nach Auffassung von Weihbischof Zekorn die Tatsache, dass Menschen sich in ihrer Identität verunsichert fühlen. Das gelte beispielsweise vor dem Hintergrund der Flüchtlingsproblematik. „Gruppen beziehen sich dann stärker auf sich selbst, anstatt das Gemeinsame zu suchen.“ Abgrenzung und Pauschalurteile könnten nie dem Frieden dienen. Gleichwohl gelte es, die Sorgen dieser Menschen ernst zu nehmen und der Verunsicherung zu begrenzen. Das gelinge aber nur durch Dialog. Die Aussage „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ von Bundesinnenminister Horst Seehofer halten Zekorn, Khorchide und Fehr deshalb für problematisch. Der Satz betone die Abgrenzung.

Auch wenn die Gesprächspartner in fast allen Punkten übereinstimmen, Sharon Fehr sieht vor allem die islamischen Gemeinden in der Pflicht: „Wenn in Deutschland öffentlich israelische Flaggen verbrannt werden, dann wünsche ich mir von deren Vertretern eine klare Verurteilung solcher nicht hinnehmbarer Provokationen.“

 Das Problem liegt nach Auffassung von Mouhanad Khorchide darin begründet, dass der Glaube bei den hier lebenden Moslems mittlerweile stark politisch vereinnahmt worden ist, vor allem unter dem Einfluss des türkischen Präsidenten Erdogan. Auch wenn es, wie der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten zeige, bis zu einem „toleranten, aufgeklärten Islam noch ein sehr weiter Weg ist“, bleibt der Islamwissenschaftler optimistisch. Es gebe etwa in Saudi Arabien, das zuvor über den Wahhabismus – eine extrem konservative Lesart des Islam – den radikalen Islamismus befördert hat, mittlerweile Reformansätze, die Hoffnung machten. Ein Problem sei allerdings, dass sie „von oben verordnet“ und nicht das Ergebnis eines demokratischen Prozesses oder einer zeitgemäßen theologischen Deutung des Korans seien.


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