Woche der Brüderlichkeit 2016 von Stephan Orth



Von Stephan Orth (Kopie Facebook)  08. März 2016 · Münster, Nordrhein-Westfalen ·

Gestern wurde im Rathaus Festsaal die Woche der Brüderlichkeit durch die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster e.V. eröffnet. Eine tolle Veranstaltung mit vielen bewegenden Redebeiträgen zum deutsch-isralischen Verhältnis, zum Verhältnis von Christentum und Judentum, aber eben auch zur Verantwortung – das diesjährige Motto »Um Gottes Willen« verrät es – gegenüber Gott und zugleich den Menschen, besonders in der politischen Flüchtlingsdebatte.

Besonders gut und wichtig waren die Grußworte von Jörg Hagemann (Stadtdekanat Münster Bistum Münster) und von meinem lieben Freund Sharon Fehr (Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Münster). Beide stellten sich der religiösen Intoleranz und rechtspopulistischer Hetze deutlich entgegen. Sharon betonte: »Die Menschenwürde muss bei allen Ängsten und teilweise auch berechtigten Sorgen immer Hauptaufgabe sein.« Das teile ich uneingeschränkt.

Im Vorfeld der Veranstaltung spielte ich mit dem Gedanken aus Solidarität gegenüber den Juden in Deutschland während der Veranstaltung eine Kippa zu tragen. Viele Juden können ihre Religionszugehörigkeit in Deutschland aufgrund von Anfeindungen nicht öffentlich bekennen. Das finde ich persönlich beschämend und macht mich wütend. Jedoch war ich mir nicht sicher ob das Symbol richtig verstanden wird. Ich wollte keinen theologischen Faupax begehen oder den Eindruck der Lächerlichkeit erwecken.

Umso mehr habe ich mich gefreut als Sharon, mit dem ich bereits im Vorfeld über diese Idee sprach, mir beim Empfang persönlich für mein Mitgefühl dankte und mir eine Weiße Kippa schenkte. Das hat mich echt berührt und ich werde Sie nicht das letzte Mal getragen haben. Danke!

Solidarität und wirkliche Gemeinschaft von Juden und Christen sollte auch unabhängig von solchen Veranstaltungen gelebt werden – vor allem mit Blick auf unser christliches Osterfest. Leider gibt es ja in christlichen Gemeinden mancher Orts noch immer antisemitischen Äußerungen bezüglich Christi Leiden und Sterben.

Ich bin froh, dass wir in Münster so einen guten christlich-jüdischen Dialog, auch durch die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, miteinander führen! Sharon Fehr ist für nach unserer ersten Begegnung im Kontext von Münster GEGEN Pegida ein guter und ehrlicher Freund geworden, durch den ich schon einige wichtige und wertvolle Einblicke ins jüdische Leben in Münster erfahren durfte.

Ich wünsche dir auch an dieser Stelle nochmals gute Genesung, שָׁלוֹם עֲלֵיכֶם

gez.: Stephan Orth

 


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