Porträt der Jüdischen Gemeinde Münster nach 1945



Die Jüdische Gemeinde Münster zählt heute etwa 800 Mitglieder. Sie ist im Laufe der letzten 15 Jahre durch die Zuwanderung von jüdischen Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion um ein zwölffaches angewachsen.

Auch die Jüdische Gemeinde Münster, die in der Zeit nach dem Holocaust jahrzehntelang eine nur geringe Mitgliederzahl und einen hohen Altersdurchschnitt aufwies, hat durch die Zuwanderung ein neues Gemeindebild mit einer völlig neuen Gemeindestruktur entwickelt.

Cirka 96% der Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Münster stammt aus den GUS-Staaten. Nur noch sehr wenige Mitglieder, die den Holocaust überlebten, die zurückkamen und den Mut hatten, jüdisches Leben auch in Münster wieder möglich zu machen, leben noch hier. Einige von ihnen kehrten im Sommer 1945 nach ihrer Befreiung aus dem Konzentrationslager nach Münster und Umgebung zurück, hielten erstmals im September 1945 wieder einen jüdischen G`ttesdienst ab, gemeinsamer Betsaal war das Haus Am Kanonengraben, die Marks-Haindorf-Stiftung.

In der Geschichte der Jüdischen Gemeinde Münster ist die Fertigstellung der neuen Synagoge ein besonderer Markstein. Sie steht heute an der Stelle, wo die einst große und prächtige Synagoge der Stadt Münster in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 in Flammen aufging.

So sehr die kleine und einst überalterte Jüdische Gemeinde in Münster sich über den Zuwachs der neuen Mitglieder aus den GUS-Staaten freut, so schwierig war und ist doch andererseits die Integration einer großen Zahl von Menschen, die jahrzehntelang von ihren jüdischen Wurzeln abgeschnitten waren und einen ganz anderen sprachlichen und kulturellen Hintergrund mitbringen. Auch für die Jüdische Gemeinde Münster bedeutet der Zuwachs weitere neue quantitative und qualitative Herausforderungen bewältigen zu müssen.

So bemüht sich die Jüdische Gemeinde bei der Suche nach Wohnung, nach Arbeit, Kindergarten- und Schulplatz und Ausbildungsplatz. Hilft bei Behördengängen und bei der Bewältigung vieler Problemstellungen des Alltags. Über die Bemühung der sozialen Absicherung der Lebensexistenz hinaus geht es auch konkret um menschliche Zuwendung, direkte Begegnung und Einladungen zur Teilnahme an Veranstaltungen in und mit der Jüdischen Gemeinde wie z.B. G`ttesdienste für Schabbat, Feiertage und Gedenktage sowie Kulturveranstaltungen, Gemeindeseminare, Religionsunterricht sowie Sprachunterricht für Hebräisch und Deutsch.

Die Gemeinde kommt heute wieder zu jedem Schabbat und zu allen Festtagen in der Synagoge zusammen. Die Unterrichtung der Kinder und Jugendlichen in jüdischer Religion, Tradition und jüdischer Geschichte durch einen hauptamtlichen Lehrer und Kantor aus Israel ist längst wieder fester Gemeindealltag wie eine ganze Reihe vielfältigster Veranstaltungen und Initiativen für und mit den „Kleinen“ wie den „Großen“ der Jüdischen Gemeinde Münster. In den vergangen Jahren haben sich u.a. fest etabliert: das Jugendzentrum „Ha Tikwa“, der Seniorenclub, der Frauenverein, der Chor der Jüdischen Gemeinde Münster.

In der Jüdischen Gemeinde Münster herrscht heute wieder reges Leben. Die Zeiten sind vorbei, in denen der G`ttesdienst wegen fehlender Mitglieder ausfallen musste.

Die Zuwanderung von jüdischen Menschen aus den GUS-Staaten beinhaltet somit auch für die Jüdische Gemeinde Münster die Chance für die Stärkung jüdischen Lebens und dafür, dass sich tatsächlich wieder jüdisches Leben zu entwickeln beginnt, zaghaft, unvergleichbar mit damals, aber für uns alle doch bemerkbar und bereichernd.


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Jüdische Gemeinde Münster
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