Bevorstehende Ende der Jüdischen Gemeinde Münster



1930 konnte die Gemeinde Münster noch in Ruhe das fünfzigjährige Jubiläum ihrer im Jahr 1880 erbauten Synagoge feiern. Die Zahl der Mitglieder betrug ca. 650.

Mit dem Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft ab 1933 begann in Münster – wie in ganz Deutschland – eine Verschlechterung der Lebenssituation der Juden auf allen Gebieten. Die Zahl der Gemeindemitglieder verringerte sich durch Abwanderung.

In den frühen Morgenstunden des 10. November 1938 wurde von den Nationalsozialisten die Münsteraner Synagoge in Brand gesetzt. Sie brannte vollständig aus.

Zur Wiederherstellung eines ordentlichen Stadtbildes hatte die Jüdische Gemeinde die Synagogentrümmer auf eigene Kosten selbst zu beseitigen.

Die Stadtverwaltung erzwang im März 1939 den Verkauf des Grundstückes für 28.000 Reichs-Mark, obwohl das Finanzamt einen an sich schon zu niedrigen Einheitswert von 52.000 Reichsmark festgesetzt hatte. Für die Abbruchkosten von 20.000 Reichs-Mark hatte die Gemeinde selbst aufzukommen. Die Kosten wurden von der Kaufsumme in Abzug gebracht.

Eine weitere Nutzung des Grundstücks verhinderten bis 1945 verschiedene Interessen rivalisierender Münsteraner Geschäftsleute beziehungsweise Institutionen. Gedacht war u.a. an eine Nutzung als Kinderspielplatz, Parkplatz oder als Grünanlage. Favorisiert wurden verschiedene Vorschläge.

Nach Kriegsbeginn 1939 wurden alle vorherigen Nutzungspläne fallengelassen und das Grundstück wurde „zum Schutz der Bevölkerung“ mit Deckungsgräben gegen Luftbomben versehen und ein Feuerlöschbrunnen angelegt.

Der Rabbiner der Gemeinde, Dr. Steinthal wanderte Anfang des Jahres 1939 mit seiner Familie nach Argentinien aus. Sein Nachfolger, Dr. Julius Voos aus Kamen, wurde 1943 mit seiner Familie nach Auschwitz deportiert.

1939 begann man in Münster, Juden aus ihren Wohnungen zu weisen und in der Marks-Haindorf-Stiftung zu kasernieren.

Im Laufe der Deportationszeit (1941-1943) konzentrierte sich das Leben der in Münster verbliebenen Juden um diese Stiftung, die gleichsam zur letzten Zuflucht Münsteraner Juden wurde. Der zu dieser Stiftung gehörende Betraum wurde für die Gemeinde nach der Zerstörung der Synagoge eine Art „Ersatz“, wenngleich in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 der größte Teil des vielfältigen kulturellen Lebens der Juden in Münster unwiederbringlich ausgelöscht worden war.

Bis heute sind uns vier Deportationen bekannt, bei denen auch jüdische Einwohner der Stadt Münster verschleppt wurden: Dezember 1941, Januar, März und Juli 1942.

Der letzte Transport bedeutete zugleich die Auflösung der Gemeinde. Die Gestapo übernahm das Haus, das 1943 durch Bomben teilweise zerstört wurde.


Jüdische Gemeinde Münster
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