Der Neubeginn der Jüdischen Gemeinde


Einweihung

Nach der Befreiung aus dem Konzentrationslager kehrten die Eheleute Goldenberg und Herr Hugo Spiegel nach Warendorf zurück. Sie waren von dem Gedanken beseelt, Kontakt zu den wenigen Juden, die die Schreckensjahre 33-45 überlebt hatten, herzustellen, Angehörige und Freunde wiederzufinden; Halt und Hilfe zu geben.

An einen gemeinsamen Neuanfang und Wiedergründung eines jüdischen Gemeindelebens in einem Land, dessen totalitäre Machthaber die jüdischen Bürger auf unwürdige Art und Weise verfolgt und in den Tod getrieben hatten, hatte dabei zunächst keiner von ihnen gedacht.

Die Torarollen und Gebetbücher der früheren Synagoge Warendorf waren erhalten geblieben. Am 7. September 1945 fand in Warendorf wieder ein erster G’ttesdienst nach dem Holocaust statt. Bis 1947 blieb die Warendorfer Synagoge gemeinsamer Betsaal. Danach lebten in Münster bereits wieder 23 Juden, so dass Herr Goldenberg seinen privaten Wohnraum in Münster für G’ttesdienste zur Verfügung stellte.

1949 wurde die zerstörte Stiftung wieder hergestellt und diente als neues Gemeindezentrum mit Bet-, Schul- und Versammlungsräumen.

1960 pendelte sich die Zahl der Gemeindemitglieder auf 130 Personen ein. Ein reges Gemeindeleben mit G’ttesdiensten, Religionsunterricht, Gemeindefeiern und Vereinen, wie Frauenverein, Sportverein und Jugendgruppen hatte sich wieder entwickelt. Man entschloss sich zum Neubau eines Gemeindezentrums auf dem Gelände der ehemaligen Münsteraner Synagoge, das am 12. März 1961 seiner Funktion übergeben wurde.

Niemand hätte es sich damals träumen lassen, dass sich hier, in diesem Land, nach 1945 je wieder jüdisches Leben konsolidieren würde.

In der Geschichte der Jüdischen Gemeinde Münster ist die Fertigstellung und „Einweihung“ der wiederaufgebauten Synagoge ein besonderer Markstein. Das Haus der Stiftung erwies sich bald als zu klein, so dass dieses Gemeindezentrum den 130 Mitgliedern zum neuen Mittelpunkt religiösen, kulturellen und sozialen Lebens werden sollte.

Die beiden Raum hohen bunten Glasfenster in der Ostwand, die die Apsis, die Schranknische verstärkt hervortreten lassen, sind das Ergebnis einer Tournee des Studentischen Madrigalchors der Universität Münster durch die USA. Zugunsten des Wiederaufbaus der Synagoge gaben sie dort Konzerte; den Reinerlös überreichten die jungen Menschen der Gemeinde als Zeichen des guten Willens und der Verständigung zwischen Juden und Christen.


Jüdische Gemeinde Münster
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