Wir sagen: NEIN ZUM HINDENBURGPLATZ



Der Stadt­rat in Münster  hat im März 2012 be­schlos­sen, den tra­di­tio­nel­len Hin­den­burg - Platz in Schloss­platz um­zu­be­nen­nen. Ei­ne Bür­ger­in­itia­ti­ve will nun er­zwin­gen, dass die Um­be­nen­nung zu­rück­ge­nom­men wird. 

Die Jüdische Gemeinde hält sich mit offiziellen Statements in politischen Debatten in der Regel zurück. Es ist jedoch das Unbehagen, das wir bei der öffentlichen Diskussion um die aktive Rück-Umbenennung von „Schlossplatz“ in Hindenburgplatz haben, weshalb wir uns zu Wort melden und hier öffentlich Profil zeigen.

Eine bewusste , eine aktive Ehrung eines Kriegstreibers?  Hierfür haben wir überhaupt kein Verständnis und unterstützen daher die demokratische Bürgerinitiative: "Schlossplatz!"

Mit Hindenburg verbinden vor allem auch jüdische Bürger/innen in Münster alles andere als positive  Werte. Hindenburg trägt die Verantwortung für die Kanzlerschaft Hitlers. Als ehemaliger Reichspräsident zeigte er gar Verständnis, wie Hitler sich zahlreiche Gegner durch kaltblütiges Morden  entledigte. „Ohne Blutvergießen geht es nicht“, so einst Hindenburg. Auch die Boykotts und Zerstörung jüdischer Wohnungen und Geschäfte ließ Paul Hindenburg ohne Gegenreaktion  zu, ebenso auch die Errichtung erster Konzentrationslager!

Die Jüdische Gemeinde Münster ist überzeugt:  Der Name Hindenburg steht für Krieg, Nationalismus, gegen Europa und gegen die parlamentarische Demokratie. Dies hat mit Münster, der Stadt des Westfälischen Friedens nichts zu tun.

Die Jüdische Gemeinde Münster sagt auch:  Aus Münster, der Stadt des westfälischen Friedens, darf nicht die Stadt der Verehrer und Freunde des Kriegstreibers Hindenburgs werden.  Er taugt als Vorbild nicht! Deshalb wird es auch mit den Stimmen der Jüdischen Gemeinde Münster keine Rück-Umbenennung in Hindenburg-Platz geben!

Die Jüdische Gemeinde Münster unterstützt daher die demokratische Bewegung  der Bürgerinitiative „Schlossplatz“. 

Daher auch an unsere Mitglieder: In einem Bürgerentscheid am 16.09.2012 werden die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Münster über die  Frage ent-scheiden:
Soll der Ratsbeschluss vom 21.03.2012 über die Umbenennung des Hinden-burgplatzes aufgehoben werden und damit der Platz den Namen Hindenburgplatz behalten?

Wir sagen: NEIN! zur Rückumbenennung nach Hindenburg.

Sharon Fehr

Geschäftsf.1. Vors.


Galerie

So einfach ist es nicht

1. Als Chef der Obersten Heeresleitung hat Paul von Hindenburg das Ende des 1. Weltkriegs unnötig um mehr als ein Jahr hinausgezögert. Der demokratisch gewählte Reichstag wollte längst Friedensverhandlungen, doch Hindenburg hat weiterhin den "Siegfrieden" propagiert und dem Kaiser zum weiterkämpfen gedrängt, selbst dann noch, als er bereits wusste, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen war. Die Bezeichnung "Kriegstreiber" erscheint angesichts vieler Tausender Toter in dieser Zeit mehr als angemessen.
2. Als Reichspräsident hat Hindenburg nie eine Politik des Ausgleichs verfolgt, sondern den Staat personell wie inhaltlich immer weiter nach rechts gerückt. Dies stärkte die Extremisten links wie rechts. Als dann auch noch Sozialdemokraten und Kommunisten durch Notverordnungen Hindenburg immer weiter eingeschränkt wurden, war der Erfolg der NSDAP eine geradezu zwangsläufige Konsequenz.
3. Hindenburg strebte einen autoritären Staat an, die "Einigung des Volkes" und "nationale Erhebung" unter einem starken Führer. Genau das versprach Hitler zu sein und so hat Hindenburg seine anfängliche Abneigung schnell überwunden, als er nach einem Nachfolger suchte.
4. Der Rat hat sich bei der Umbenennung alle erdenkliche Mühe gegeben, die Bürger mit einzubeziehen. Es gab Webseiten, Informationsveranstaltungen, Podiumsdiskussionen mit Vertretern beider Seiten, zwei Ausstellungen und eine Umfrage. Die 3½jährige Debatte wurde von der Öffentlichkeit und den Medien intensiv verfolgt und zum Schluss gab es einen parteiübergreifenden Konsens im gesamten Rat.
5. Die Kriterien für die Umbenennung des Hindenburgplatzes und 10 weiterer Straßen wurden vom überparteilichen Ältestenrat erarbeitet. Eines dieser Kriterien war eine aktive Verstrickung in das NS-Unrecht. Dies Erklärt auch, Kaiser Wilhelm II nicht zur Debatte stand. Die Umbenennung der Uni wäre zudem eine Angelegenheit des Landes, nicht der Stadt.

Hochachtungsvoll,
Christoph Wickert, Münster

So einfach ist es nicht

1. Als Chef der Obersten Heeresleitung hat Paul von Hindenburg das Ende des 1. Weltkriegs unnötig um mehr als ein Jahr hinausgezögert. Der demokratisch gewählte Reichstag wollte längst Friedensverhandlungen, doch Hindenburg hat weiterhin den "Siegfrieden" propagiert und dem Kaiser zum weiterkämpfen gedrängt, selbst dann noch, als er bereits wusste, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen war. Die Bezeichnung "Kriegstreiber" erscheint angesichts vieler Tausender Toter in dieser Zeit mehr als angemessen.
2. Als Reichspräsident hat Hindenburg nie eine Politik des Ausgleichs verfolgt, sondern den Staat personell wie inhaltlich immer weiter nach rechts gerückt. Dies stärkte die Extremisten links wie rechts. Als dann auch noch Sozialdemokraten und Kommunisten durch Notverordnungen Hindenburg immer weiter eingeschränkt wurden, war der Erfolg der NSDAP eine geradezu zwangsläufige Konsequenz.
3. Hindenburg strebte einen autoritären Staat an, die "Einigung des Volkes" und "nationale Erhebung" unter einem starken Führer. Genau das versprach Hitler zu sein und so hat Hindenburg seine anfängliche Abneigung schnell überwunden, als er nach einem Nachfolger suchte.
4. Der Rat hat sich bei der Umbenennung alle erdenkliche Mühe gegeben, die Bürger mit einzubeziehen. Es gab Webseiten, Informationsveranstaltungen, Podiumsdiskussionen mit Vertretern beider Seiten, zwei Ausstellungen und eine Umfrage. Die 3½jährige Debatte wurde von der Öffentlichkeit und den Medien intensiv verfolgt und zum Schluss gab es einen parteiübergreifenden Konsens im gesamten Rat.
5. Die Kriterien für die Umbenennung des Hindenburgplatzes und 10 weiterer Straßen wurden vom überparteilichen Ältestenrat erarbeitet. Eines dieser Kriterien war eine aktive Verstrickung in das NS-Unrecht. Dies Erklärt auch, Kaiser Wilhelm II nicht zur Debatte stand. Die Umbenennung der Uni wäre zudem eine Angelegenheit des Landes, nicht der Stadt.

Hochachtungsvoll,
Christoph Wickert, Münster

Hindenburg=Kriegstreiber?

Hindenburg war kein Kriegstreiber und auch kein Wegbereiter des Nazi-Terrors. 1. Im WK I war Hindeburg bei Kriegsbeginn reaktiviert worden, zuvor war er bereits seit Jahren in Rente. Als die sehr harten Bedingungen der Versailler Verhandlungen bekannt wurden, die im krassen Gegensatz zu Wilson´s 14 Punkten standen, erklärte H auf Anfrage der Regierung, dass eine Wiederaufnahme der Kampfhandlungen "aussichtslos" sei. 2. H wollte den Irren aus Braunau NICHT zum Kanzler ernennen und hat dieses Ansinnen mehrfach abgelehnt. Nachdem in 1932 die Nazis 44 % der Stimmen bekommen hatten, wollten die Deutschnationalen (8 %) Hitler "instrumentalisieren". Zitat Papen: "Den haben wir in 2 Monaten in die Ecke gequetscht, dass er quiekt". Dann erst hat H, der Hitler stets verachtet hatte, diesen zum Kanzler ernannt. 3. Abgeschafft worden ist die Demokratie aber erst durch das sog. "Ermächtigungsgesetz" vom März 1933. Damit hatte der Reichstag auf seine Rechte verzichtet und alle Rechte auf die Hitler-Regierung übertragen. Nur die SPD-Abgeordneten hatten den Mut, dagegen zu stimmen und dafür ins Exil oder KZ zu gehen. U.A. der ehemalige RK BRÜNING (nach dem ist die Straße an der Stubengasse benannt!!!) hat für dieses Gesetz und somit die Abschaffung der Demokratie gestimmt. 4. Hindenburg war 1933 bereits ein Greis und ist am 2.8.1934 verstorben. Mit der Planung des WK II kann er somit gar nichts zu tun gehabt haben. Fazit: Bei aller Sympathie für OB Lewe, hat er das Projekt "Umbenennung" nach Gutsherrenart von oben herab diktiert. DAS ist es, was so viele Bürger aufregt. Um Hindenburg-Fans handelt es sich dabei nicht ernsthaft. Als nächstes müsste man die Uni umbenennen, die den Namen des wirklichen Kriegstreibers "Wilhelm II." trägt, was die 18 Professoren wohl nicht zu stören scheint.

ramesh

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Anmerkung v. sharon: : In der Regel werden Kommentare ohne Verfasser nicht veröffentlicht. Wir machen hier eine Ausnahme, da der  Verfasser bekannt ist.

gez. Sharon 

Keine wiederholte Ehrung Hindenburgs in Münster!!

In einer freien und bewussten Entscheidung verhalf der Reichspräsident Hindenburg am 30. Januar 1933 Hitler zur Macht, indem er ihn zum Reichskanzler bestellte.
Gegen Wahlplakate der NSDAP zur nachfolgenden Reichstagswahl am 5. März, auf denen er gemeinsam mit Hitler abgebildet ist und die beginnenden Aktionen zum Judenboykott ab April 1933 gab es keinen Protest von Seiten Hindenburgs. In seinem politischen Testament am 11. Mai 1934 schrieb Hindenburg: „...Mein Kanzler Adolf Hitler und seine Bewegung haben zu dem großen Ziele, das deutsche Volk über alle Standes- und Klassenunterschiede zur inneren Einheit zusammenzufassen, einen entscheidenden Schritt von historischer Tragweite getan....“
Einer der fatalsten Schritte im nationalsozialistischem Deutschland unter Hitlers totalitärem Führerregime wurde sein mit pervertierter Logistik geplanter Massenmord von 6 Millionen europäischer Juden während der Shoa – bis heute ein Schritt von belastender historischer und menschlicher Tragweite!!

Als Jüdin in Münster erwarte ich deshalb:

Keine wiederholte Ehrung Hindenburgs!!
NEIN zum Hindenburgplatz!!

Hadassah Geburek

Jüdische Gemeinde Münster
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