Auf Reste des Fundaments der zerstörten Synagoge Münster gestoßen. VERGANGENHEIT höchst lebenig.



Persönliche Empfindungen:

Am Montag, 01. November 2011 erreicht mich von unserem Architekten Nathan Schächter die Mitteilung, dass während der Ausschachtungsarbeiten auf der rückwärtigen Seite zur Promenade der Synagoge Reste des Fundaments zum Vorschein gekommen sind.

Sie geben unverkennbar Hinweis auf die in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 von den Nazis zerstörte Synagoge. Der Blick auf die einzelnen Steine des Fundaments bringt mir die Erinnerung an die öffentliche Gedenkveranstaltung in unserer neu errichteten Synagoge am 9. November hautnah und besonders intensiv in Erinnerung. Wie oft stand ich am 9. November hier und sprach in all den vielen Reden seit meiner Wahl als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Münster ernste Worte über die Bedeutung des Erinnerns. Durch die mit meiner Hände greifbaren Reste des Fundaments der zerstörten Synagoge fühle ich, wie sehr gegenwärtig doch die Vergangenheit ist.

Auf einem Stein glaube ich schwarze Rauchspuren zu erkennen. Ich spüre den beißenden Rauch, nehme das Knistern der Glut der einstürzenden Synagoge in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 wahr.

Niemand schreitet gegen diese Barbarei ein! Niemand fragt, wohin die Menschen, die dieses G`tteshauses mit Gesängen, mit Gebeten, mit Leben füllten, verschwinden!

Ich würde unter dem Eindruck dieser Bilder und Empfindungen am liebsten entscheiden, die heute nach 73 Jahren entdeckten Reste der Grundmauer zu sichern und zu einer öffentlichen Erinnerungs-Stele gestalten zu lassen.

Sharon Fehr

Geschäftsf. 1. Vors


Vergangenheit höchst lebendig

Hallo, Juristikus, unsere Weisen pflegen zu sagen: (…) tu viel und lass deine Hände nicht müde werden. Auch insofern versteht sich, dass wir uns bemühen, unserem festen Platz im öffentlichen Leben der Stadt weiter ein gutes Gesicht zu geben. Danke für Deine netten Worte! Shalom sharon

Gedanken zum Beitrag "Persönliche Empfindungen"

Ja, ich teile die starken Gefühle des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, S.Fehr beim Fund der Mauerreste der alten Synagoge.
Lange Zeit wurde die Barbarei tot geschwiegen. Erst die Auseinandersetzung mit der Ungeheuerlichkeit der Vernichtung jüdisch gläubiger Bürger unter den Nazis in der jüngeren Zeit hat die Täter entlarvt, die, die geschwiegen haben, beschämt und mit verantwortlich gemacht, vor allen Dingen aber den jungen Deutschen die Augen geöffnet, sie betroffen gemacht und sie unendlich tief berührt.
Die vordergründige Schuldfrage ist längst geklärt. Die Verantwortlichkeit für diese unfassbare Barbarei aber muss für immer im Bewusstsein der Deutschen – jeder Generation – mitschwingen und wach gehalten werden.
Mit dem Auffinden der Mauerreste hat der, den wir alle verehren, ein starkes Zeichen gesetzt.
Auf den Resten der zerstörten Synagoge wurde vor etwa 50 Jahren das heutige Gebets – und Versammlungshaus errichtet, ein Zeichen, trotz der Zerstörung, des unsäglichen Leides an alter Stätte den Glauben ungebrochen weiterzuleben. Heute wird das G`tteshaus renoviert, erweitert und das mit breiter Unterstützung aus Politik und Verwaltung getragen aber von den Bürgerinnen und Bürgern aus Münster.

Die Geschichte der Münsteraner Synagoge stellt ein Synonym ausgehend von dem Versuch der völligen Vernichtung der Juden über die Auseinandersetzung mit der Verantwortung für diese Barbarei bis hin zur Aussöhnung letztlich zur Integration der jüdischen Gemeinde in das öffentliche Leben dar, respektiert und getragen von großen Teilen der Münsteraner Bevölkerung.
Dafür bin ich dankbar!
Albert Schmelting

Vergangenheit höchst lebendig

lebendiger denn je, eure gemeinde, und allen voran -aber doch primus inter pares- der unermüdliche, bienenfleißige und stets charmante vorsitzende!
schön, dass es euch/ dich gibt!
LG
juristicus

Hallo, David, danke für Deine

Hallo, David, danke für Deine Anregung. Sie fällt bei uns auf offenes Terrain. Ich stelle mir eine Ausschreibung vor, auf die sich Künstler mit Gestaltungsvorschlägen melden können. Kriterien & Auslobungsverfahren könnten wir in der GV präzessieren.

Liebe Grüße, Shabbat Shalom

Sharon :-)

Reste der Grundmauer

Kann man einen Teil der alten Grundmauer offen hinter einem Glas ausstellen. Da wo das ist,damit die Leute den authentischen Ort erleben, an dem die Synagoge tatsächlich stand? Nur eine Idee.

Grüße,

David

Jüdische Gemeinde Münster
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