NRW – TAG in Münster: 80 Jahre Nordrhein-Westfalen

-Welchen Beitrag können Religionen für Frieden, Freiheit und Demokratie leisten?-

Unter dem Motto „Der eine – und die Vielen – Religion verbindet“ stand beim 3. NRW-TAG am Sonntag, 30.08.2026, in Münster gemeinsam mit Prof. Dr. Mouhanad Khorchide für den Islam und Dr. Ziegler für das Christentum die Frage im Mittelpunkt:

Welchen Beitrag können Religionen für Frieden, Freiheit und Demokratie leisten?

Mein Plädoyer aus jüdischer Perspektive:

Wo Religionen Brücken bauen, den Dialog suchen und den Menschen dienen, stärken sie Frieden, Freiheit und Demokratie – nicht durch Macht, nicht durch Ausgrenzung und schon gar nicht durch die Rechtfertigung von Gewalt, sondern indem sie Vorbild sind.

Bei dem Gedanken an religiös begründete oder gerechtfertigte Gewalt war für mich an diesem Vormittag auch der 7. Oktober 2023 gegenwärtig.

In Anlehnung an einen Satz von Margot Friedländer – „Es gibt kein christliches, kein muslimisches, kein jüdisches Blut. Es gibt nur menschliches Blut.“ – habe ich unterstrichen, dass wir bei allen Unterschieden zuerst eines sind: Menschen – mit derselben Würde und derselben Verantwortung füreinander.

Auch die Gespräche mit Besucherinnen und Besuchern an diesem Vormittag haben gezeigt, was ein solches Format bewirken kann: Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen, Gemeinsamkeiten sichtbar zu machen und zugleich deutlich werden zu lassen, dass Religionen Verantwortung für unser gesellschaftliches Zusammenleben tragen.

Dass die Polizei Münster im Rahmen des NRW-Tages eine Bühne für das Gespräch zwischen Vertretern der drei großen Religionen geschaffen hat, empfinde ich keineswegs als selbstverständlich. Für diese besondere Initiative und die ebenso einfühlsame wie engagierte Begleitung dieses Dialogs bin ich sehr dankbar.

Zugleich gehört die polizeiliche Sicherung unseres Jüdischen Gemeindezentrums in Münster leider zu unserem Alltag. Auch dafür sind wir den Beamtinnen und Beamten der Polizei außerordentlich dankbar.

Und dennoch bleibt unsere Hoffnung – בעזרת השם, mit G’ttes Hilfe –, dass einmal eine Zeit kommen möge, in der jüdisches Leben in Münster ohne diese besonderen Schutzmaßnahmen möglich sein wird: eine Zeit, in der wir unsere G’ttesdienste unbeschwert feiern können und unsere Kinder und Jugendlichen den Religionsunterricht und unser Jugendzentrum „HaTikwa“ – התקוה – „Die Hoffnung“ besuchen, dort lachen, lernen und ihre jüdische Identität leben können, ohne dass ihre Sicherheit besonders geschützt werden muss. Das ist die Hoffnung, die wir בעזרת השם niemals aufgeben werden.

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